Maria Thal Kapelle

IMG0879 Maria Thal und Pfarrsaal

Längst schon vor der heutigen Barockkapelle stand an diesem Platz eine andere Kapelle – eine gemauerte Bildsäule oder eine Holzkapelle.

Aus Spenden der Wallfahrer und aus eigenen Mitteln ließ der Linzer Kaufmann Payßer um 1690 eine neue Kapelle errichten. Die heutige Gestalt erhielt sie in den Jahren 1746-1749. Das Deckenfresko hat Wolfgang Heindl 1747 gemalt. Am 8.9.1748 wurde in der Kapelle zum ersten Mal eine hl. Messe gefeiert. 1749 wurde die Sakristei dazugebaut. Um diese Zeit war aber schon der Höhepunkt der Wallfahrten nach Maria Thal überschritten. Die Wallfahrten verlagerten sich immer mehr auf den Pöstlingberg, wo inzwischen eine große Wallfahrtskirche errichtet worden war.  Maria Thal blieb aber als kleiner Wallfahrtsort erhalten und so wurde auch diese kleine Barockkapelle immer wieder restauriert. Die letzte große Renovierung war in den Jahren 1980 -1985.

Kapelle – außen: Die Kapelle stellt einen quergestreckten Achteckbau mit dem Eingang an der nördlichen Breitseite dar; rechts ist über quadratischem Grundriss die Sakristei angebaut, links ein vermauerter zweiter Eingang. Das kuppelartige geschweifte Dach ist einmal eingezogen und trägt im Scheitel eine turmartige, mehrfach geschweifte Laterne mit Zwiebel und Knauf. Im Süden schließt auf der Höhe des Berghangs ein verwinkelter Zubau, die ehemalige Mesnerwohnung – vielleicht ursprünglich Einsiedelei – an. Jetzt dienen die Räume für die Jungschar- und Jugendgruppen der Pfarre als Heimräume.

Das Innere ist ein querovaler Kuppelraum mit reicher Wandgliederung. Alle Dekorationsteile sind dicht mit Stuckzierat bedeckt: Die Wandpfeiler sind durch mehrere Blendfenster unterteilt, die Nischen durch plastische Konsolen und Giebel mit plastischen Puttenköpfen betont. Das Gebälk wird durch Gitterwerk in Stuck, durch Eck- und Mittelkartuschen belebt, die Korbbögen sind durch kleinteilige Schmuckfelder zerlegt und werden von üppigen Kartuschen mit Blätter- und Rankenwerk und von Puttenköpfen bekrönt. Auch die Fensterleibungen zeigen Stuckzierat von großer Feinheit. In den Zwickeln, die von den Korbbogen unterhalb der Decke gebildet werden, ist je ein sitzender Putto mit Blumenvase, Herz, Granatapfel und an der Staffelei das Bild Mariens malend, in Fresko dargestellt. Von den Farbfenstern wurden zwei durch Luftdruck bei Fliegerangriff zerstört, über dem Eingang Fenster mit Medaillon der hl. Anna mit Maria. In den Ecknischen sind vier weißbemalte Holzstatuen aus der Erbauungszeit eingestellt: Rechts vom Eingang Joachim, gegenüber hl. Anna, links vom Eingang Johannes der Täufer, gegenüber hl. Joseph, Höhe 150 cm. Die gotische Plastik des vierzehnten Jahrhunderts ist hier mit einem bedeutenden Werk vertreten, einer Sandsteinstatue der stehenden Muttergottes mit Kind, 135 cm hoch. Sie wurde in der Barockzeit neu gefasst und vermutlich auch überarbeitet, lässt aber in ihrer weichen Faltengebung, im entwickelten Standmotiv und in der reinen Bildung der Gesichtszüge das Werk eines reifen Meisters aus der Zeit um 1350 erkennen.

Das Kuppelfresko zeigt links einen Rundtempel, aus dem ein Wasserlauf herabfließt, im Vordergrund sind drei Pilger daran, Wasser zu schöpfen, ihnen zur Seite der hl. Jakobus der Ältere in Pilgertracht. Über Wolken, die ein Ovalbild mit Adam und Eva verbergen, schwebt die Muttergottes, von einem Engel gestützt, ihr zu Häupten ist Christus in Wolken, von Putten umgeben, er hält die Krone über Maria. Links vor ihm der hl. Geist in Gestalt einer Taube. Rechts über den Pilgern schwebt ein Engel mit Fackel, darüber in einer Wolke Gottvater mit erhobenen Händen, ihm zur Seite drei Kirchenväter: hl. Gregorius mit der Tiara vor sich, hl. Hieronymus, dem zwei Putten Buch und Licht halten, ein hl. Augustinus mit Herz.

Der Altar mit dem Gnadenbild hebt sich durch Material und Reichtum der Ausgestaltung deutlich ab. Unmittelbar an die korinthischen Wandpfeiler der Raumgliederung schließen ähnliche, aber in Größe und Durchbildung unterschiedene korinthische Wandpfeiler an. Sie sind, wie die gesamte Dekoration dieses Teiles, aus Glanzstuck. Daneben sind Rundsäulen aus Glanzstuck mit vergoldeten Kapitellen und Basen gestellt, die das Gebälk der flachen, zwischen ihnen eingefügten Wandnische tragen. Diese schwingt zu einem geschweiften Volutengiebel aus, über dem sich die kassettierte Halbkuppel der Nische wölbt, flankiert von je einem schwebenden Engel, der einen Vorhang zur Seite hält und von Puttenköpfen umgeben ist. Innerhalb von dieser Dekoration ist, wie in einem Gehäuse, eine zweite aus Glanzstuck entwickelt: Neben den Säulen stehen Wandpfeiler, die giebelförmige Gebälkstücke tragen, vor ihnen erheben sich auf geschweiften balusterförmigen Sockeln gegitterte Stuckgebilde, die oben mit Putten auf Wolken besetzt sind. Sie umschließen eine gerahmte Stuckfläche, die nach oben muschelförmig gerundet ist und von der Taube des Hl. Geistes im Strahlenkranz überragt wird.

Bethaus – Pfarrsaal: Er stellt ein schmuckloses, niedriges Gebäude mit Walmdach dar, das mit der südlichen Eingangsseite an der Straße, gegenüber der Kapelle, ansteht und auf acht mächtigen Pfeilern mit Rundbogen aufruht, die in den Steilhang eingefügt sind. Die Ecken der Nordseite sind abgeschrägt. Dieser Bau wurde früher als Bethaus verwendet. Deshalb auch der breite Eingang, damit man ihn zur Kapelle hin öffnen kann. Der Raum dient jetzt als Pfarrsaal.

IMG0909 Maria Thal Kapelle Deckenfresko2 IMG0903 Maria Thal Kapelle Altar